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Donnerstag, 21 April 2016 13:08

Guten Tag, liebe Netzler!

Das Internet ist eine feine Erfindung, wusstet Ihr das? Es ermöglicht Hans und Franz die Meinung zu allen möglichen und unmöglichen Dingen des Lebens zu äußern. Und das fantastische daran ist, dass es Menschen gibt die sich die Zeit nehmen das alles auch noch zu lesen. Oder gar auch noch zu kommentieren.

Eine ganz besonders schöne Erfindung im Netz ist der Blog. Im Zusammenhang mit dem Mitteilungsbedürfniss zahlloser Internet-Junkies (und seit einiger Zeit auch prominenter Unternehmen) ist der Blog das Mittel der Wahl wenn im Netz etwas geschrieben werden soll. Ein digitales Tagebuch, in dem jeder seinen ganzen Käse ungestraft veröffentlichen kann. Perfekt!

Donnerstag, 21 April 2016 14:05

Es begab sich im Frühjahr des Jahres 2013. Ich saß etwas angespannt, weil unter Zeitdruck, in einer dieser gähnend langweiligen und oftmals wenig zielführenden ASA-Sitzungen, an der ich als Druckereileiter einer Zeitungsdruckerei im Abstand von drei Monaten sozusagen zwangsverpflichtet teilnehmen musste. Mit anwesend war einer meiner Mitarbeiter, ein Drucker mit dem geistigen Horizont von Toastbrot (und ähnlichem Aussehen), die stets superb gelangweilte, dralle Chefsekretärin und Dr. von Schnarch. Dr. von Schnarch war der zuständige Betriebsarzt und sah aus wie eine sehr kurz geratene Version von Demis Roussus. Wem dieser Name nichts mehr sagt, das war der singende Grieche aus den Siebzigern, der sich mit Goodbye, my love, goodbye in die Herzen zahlloser Schwiegermütter gesungen hat. Im Gegensatz zum Schlagerbarden war Dr. von Schnarch nicht nenennswert dynamisch und benötigte selbst für ein simples Guten Tag mehr Zeit als andere für das Einlesen eines Hörbuches.

Donnerstag, 21 April 2016 15:12

Seit Februar 2016 gibt es in unserer Garage einen neuen Mitbewohner. Er hat zwei Räder, trägt ein staubsaugerähnliches Bauteil auf der Mitelstange und hört auf den Namen Bulls Lacuba Plus. Die Fachleute unter Euch wissen Bescheid, es handelt sich um ein E-Bike.

Donnerstag, 21 April 2016 17:26

Wenn ein Geheimniss zwischen Menschen auch ein solches bleiben soll, es von einem der Beteiligten aber trotzdem ausposaunt wird, spricht man gerne davon, das derjenige aus dem Nähkästchen geplaudert hat.
In der realen Welt ist zum Beispiel Julian Assange so einer, der aus dem Nähkästchen plaudert. Wobei diejenigen, über die er als WikiLeaks-Aktivist so offenherzig geplaudert hat, das sicher etwas drastischer beschreiben.

Freitag, 22 April 2016 05:30

Am 31.3. diesen Jahres endete mein Mobilfunktvertrag. Nichts weiter erwähnenswertes. Eigentlich. Ein Vertrag wie tausend andere in der Republik, die ihre Halbwertzeit überschritten haben und nun in den Mobilfunkhimmel entschweben. Bereits frühzeitig wies ich den Aussteller des sichenden Vertrags, den Mobilfunkriesen Vodafone, auf den beklagenswerten Zustand hin und erklärte, dass ich gegebenenfalls bereit wäre in die Verlängerung zu gehen. Voraussetzungen: Mein Vertrag, ein Red M, darf nicht teurer werden und ich möchte ein neues IPhone 6 mit 16 GB Speicher in Spacegray gereicht bekommen.

Das klingt für Euch jetzt alles nicht besonders spektakulär, oder? Standardwunsch eines Mobilfunk-Kunden. Wartet es mal ab.

Freitag, 22 April 2016 06:54

Die Nachricht traf mich gestern Abend ziemlich unvorbereitet. In der Tagesschau informierte Jan Hofer die Nation gerade über den Heimgang von Hans Koschnik, dem bekannten SPD-Politiker, den ich in den Unterwelten meiner Erinnerung noch irgendwo in die Kategorie Habe ich schon mal gehört einsortiert habe. Im Hintergrund von Jan Hofer erschien das grundsätzlich in schwarz-weiß gehaltene Bild des Verstorbenen. Sekunden später wechselte das Bild von Hans Koschnick und es erschien eines von Prince. Ebenfalls in schwarz-weiß. Dazu die Überschrift Prince ist tot.

Ich war nie ein großer Fan von Prince, besitze nicht einmal eine Platte oder CD von ihm. Mir war seine Musik immer zu unübersichtlich und zu funky. Aber ich habe eine ganz spezielle Erinnerung an Purple Rain, einem der bekanntesten Songs von Prince aus dem Jahr 1984.

Ich war mit meiner Familie 1988 in Jugoslavien im Urlaub. Genauer gesagt in einem kleinen Ort namens Trogir, ganz in der Nähe von Split. Wir wohnten in einem recht großen Haus am Meer. Wir, also meine Eltern, meine Großeltern und ich. Man kann an der Konstellation erkennen, dass der Urlaub für einen damals 16-jährigen Jungen nicht so fürchterlich spannend war. Entsprechend zog sich die erste Woche auch ziemlich schleppend dahin.

In der zweiten Woche jedoch trat eine interessante Veränderung der Gesamtsituation ein. In die zweite Ferienwohnung, im Obergeschoß unserers Ferinehauses, zog eine Mutter samt Tochter ein. Mir fiel die Tochter schon auf, als sie ihre Taschen durch den Garten des Hauses nach oben trug. Ein großes, schlankes Mädchen mit langen, blonden Haaren. Offenbar im gleichen Alter. Dummerweise beruhte das Interesse nicht direkt auf Gegenliebe. Sie beachtete mich nicht, vermutlich weil ich samt Luftmatraze, Taucherbrille und orangefarbenen Schwimmflossen gerade keinen besonders vorteilhaften Anblick bot.

Ein paar Stunden später kam meine Oma ins Spiel, die über die beneidenswerte Eigenschaft verfügte mit Menschen in Rekordzeit ins Gespräch zu kommen. So war es auch mit Mutter und Tochter aus dem Obergeschoß. Sie erfuhr, dass Mutter und Tochter selbst Jugoslaven waren (zumindest die Mutter war in Jugoslavien geboren), nun aber in Kamen (bei Dortmund) wohnten. Also quasi bei uns um die Ecke. Und wie Omas nun einmal so sind, legte sie dem Mädchen, deren Name Doris sie in der Zwischenzeit auch schon herausgefunden hatte, nahe, doch mal mit ihrem netten Enkel zusammen zu spielen. Ich versank im steinigen Boden der jugoslavieschen Küste und beschloss, niemals wieder aufzutauchen. Ich schnappte mir fix meine Taucherausrüstung, nuschelte etwas von einer Verabredung (die es natürlich nicht gab) und sprang schnell in die Adria.

Am nächsten Tag, ich drehte meine obligatorische Runde im Meer, saß plötzlich Doris auf der kleinen Badeplattform und sah mir beim Schwimmen zu. Da konnte ich ja nun nicht anders und überwand meine tierische Schüchternheit gegenüber diesem blonden Traummädchen. Gemeinerweise saß sie da ganz entspannt in einem echt engen, pfirsichfarbenen Bikini. Ich wusste nicht so ganz, wohin ich meinen Blick am besten wenden sollte und entschied, dass ich meine Sonnenbrille aufsetzen sollte. Verspiegelt. Undurchsichtig.

In den nächsten Tagen besserte sich mein Zustand und ich war in der Lage, in Doris Gegenwart sinnvolle und zusammenhängende Sätze zu bilden. Am Abend beschlossen die gesammelten Bewohner des Ferienhauses, also meine Familie und Doris samt Mutter, gemeinsam zum Essen zu gehen und anschließend in die Disco. In die DISCO! Ich kannte den Namen Disco nur vom Hören und bekam Schweißausbrüche, wenn ich auch nur ahnte dass ich ein solches Etablisement aufsuchen sollte. Egal. Es waren ja alle dabei und es würde schon nicht so schlimm werden.

Wir aßen also zu Abend, in einem sehr schönen kleinen Restaurant am Meer und Doris saß mir gegenüber. Wir unterhielten uns und es war ein sehr schöner Abend. Dann gingen wir in ein benachbartes Hotel. Auf der Terasse spielte eine Live-Band die aktuellen Charts rauf und runter, während das Publikum auf der Tanzfläche begeistert herumschwofte. Sogar ich (also gerade erst beendeter Tanzkursteilnehmer) wagte mit meiner Oma ein kleines Tänzchen. Sie führte. Mit Doris tanzte ich nicht. Soweit belastbar war mein Ego noch nicht.

Nach einiger Zeit, die Sonne war schon lange untergegangen, fragte mich Doris, ob ich denn nun mit in die Disco kommen wolle. Ich erstarrte. ich war der Meinung gewesen mich bereits in der Disco zu befinden und sagte das dämlicherweise auch noch laut. Was Doris sehr lustig fand. Egal. Die versammelte Familie drängte mich, mit Doris in die Disco zu gehen während sie selbst, aufgrund der vorgerückten Stunde, zurück zum Ferienhaus ging. Da stand ich also nun. Mutterseelenallein mit Doris, vor der hölzernen Eingangstür zur Hoteldisco. Grobschlächtige Typen in dunklen Anzügen standen davor uns sahen mich an, als wäre ich der Staatsfeind Nummer eins. Doris sprach Jugoslavisch und sagte ein paar Sätze zu den Typen, die uns dann in die Disco ließen.

Es war eng, es war laut und ich trank Cola ohne alles. Doris trank Bier und wir brüllten uns zu Madonnas Like a prayer gegenseitig an. Irgendwann wollte Doris endlich tanzen und zog mich mit auf die Tanzfläche. Mir war so warm und meine sorgfältig gegeelte Frisur löste sich langsam auf, was mir das Aussehen eines Schulkindes verlieh. Wofür ich nichts konnte. Der DJ spielte Michael Jackson, immer wieder Madonna und viele andere Songs, die ich nicht kannte weil ich damals englischsprachige Musik überflüssig fand. Meine tänzerischen Bewegungen waren sicher alles andere als gekonnt. Woher sollte ich denn wissen, wie man sich in einer Disco zu bewegen hatte? Ich schlug Doris vor, es doch mal mit einem anständigen Discofox zu versuchen, der ja zumindest namentlich schon mal Parallelen zur Location hatte. Außerdem hätte ich Doris dazu recht unauffällig mal in den Arm nehmen können.

Dann jedoch erklang ein recht langsames Lied. Ich kannte es nicht. Dafür Doris. Sie war ganz aus dem Häuschen und schleppte mich in die Mitte der tanzenden Meute. Dann legte sie ihre Arme um mich und irgendwie tanzten wir dann gemeinsam zu Purple Rain von Prince. Ganz am Ende des Songs küsste sie mich sogar, und das war mein erster Kuss von einem Mädchen überhaupt.

Mehr will ich hier nicht erzählen. Vielleicht mal wann anders. Aber diese Geschichte zeigt doch, warum mir der Tod von Prince doch echt leid tut. Mir sind seine Songs 1999 und Nothing compares 2U im Ohr. Und natürlich Purple Rain.

Danke, Prince, das Du diesen Song geschrieben und mir damit eine unvergessliche Erinnerung geschenkt hast. Mach es gut und grüß David Bowie von mir.

 

P.S. Wenn sich jemand in dieser Geschichte als Doris wiedererkennen sollte, schreib mal!

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